Dundu – Geschichte und Animation

Randnotiz – Wer ist DUNDU ?

Ensemble Dundu – gegründet 2006, beheimatet in Stuttgart.
(dieser Artikel wurde geschrieben für das Magazin „Puppen Menschen & Objekte“ und ist erschienen im Heft  2014/1, Nr 110 )

Brutstätte und Idee

Wie eine erfreuliche Kurzgeschichte lässt sich der Werdegang des DUNDU-Ensembles schreiben:
2006 zog Tobias Johannes Ferdinand Husemann mit in das Atelier seines Schulkameraden und Freundes Stefan Charisius.
Dessen Räume in den Stuttgarter Wagenhallen waren 2003 als Teil einer Ateliergemeinschaft mit 80 Ateliers enstanden, welche auf Initiative der Puppenspielerin Vanessa Valk, zweier Architekten, eines Gauklers und eben vom Musiker und Sprecher Stefan Charisius selbst als Kunstuntergrund für die Off-Kunstszene Stuttgarts aus einer alten Linienbushalle der Stadt Stuttgart geboren wurden.

Tobias Husemann, welcher gerade erst aus wild- kreativen Jahren in Israel nach Stuttgart gekommen war, fand viel Platz, um seine Idee in den Wagenhallen Gestalt werden zu lassen:
Eine mehrere Meter große, menschliche Riesenfigur, leicht und universell, die er als Basis für verschiedene theatrale Charaktere auf der Strasse einsetzen konnte.

Dundus Vorfahre

Der Ursprung dieser Idee lag in Jerusalem, wo Husemann im Auftrag des Teatron Hakaron eine knapp 4 Meter große Karikaturfigur nach Elvis Presley nicht nur entwickelt und gebaut, sondern auch gespielt und mit 3 weiteren Künstlern in der Strassentheaterversion von „Des Kaisers neue Kleider“ zum Leben erweckt hatte.

Seine Begeisterung für Marionetten und Konstruktion, welcher er bereits seit seinem 10. Lebensjahr intensiv nachgegangen war und die nur durch eine kurze Lebensphase des nüchternen Erwachsenseins unterbrochen werden konnte (und durch den Umstand, dass Husemann sein Vorbild Albrecht Roser leider nie persönlich kennengelernt hat), entdeckte der Künstler in der Arbeit mit Straßenkindern wieder, lernte daraufhin den Theaterregisseur Adam Yakin kennen und dessen großer Ausdruckswille verband sich mit dem genialen Tüftlergeist.

Aufgrund der politischen Unruhen in Israel und der Gefahr in den Straßen trat der hüftschwingende Elvis jedoch bald nicht mehr im Rahmen des Theaterstückes auf und wurde zum singenden, tanzenden Walkact, welcher schnell auf- und abgebaut werden konnte.

Ein universeller Dummy ?

Diesen Anspruch sollten auch die neuen Prototypen erfüllen, welche Husemann in Stuttgart plante.
Als die fertige Rohfigur schließlich vor ihm stand und auf ihren Erbauer hinabzusehen schien, wirkte sie auf den jedoch so stimmig, dass er seine Pläne zur charakteristischen Festlegung verwarf.

Dundu, der transparente, leuchtende Riesenmensch, vereint in seiner Gestalt alle Menschen, kann für jeden Charakterzug einstehen und ihn wieder ablegen.

Du und Du – dieser Gedanke erschien nicht nur Tobias Husemann, sondern auch Stefan Charisius so darstellenswert, dass der Erbauer seine Pläne, den Riesen allein zu animieren, verwarf, und Charisius sich auf die Suche nach 4 weiteren Spielern begab, um Dundu schon bald bei seinen Konzerten mit afrikanischer Harfenmusik und Band einen Platz einzuräumen.

In der folgenden Zeit probte Husemann mit einem ständig wechselnden Ensemble aus freiwillig Begeisterten.

Im wechselnden Ensemble sind von Anfang an lauter selbstständige Künstler, Bühnenmenschen, Theaterpädagogen, Tänzer, Gestalter, Musiker, Fotografen, Jongleure und mehrere Manager. Eigenes Engagement und die Harmonie untereinander sind die Arbeitsgrundlage von allen Spielern, welche ihren Platz bei Dundu gefunden haben und sich mit eigenen und gemeinsam erarbeiteten Kompetenzen immer wieder als Ensemble zusammenschliessen.

Arbeit mit der Puppe

Nach und nach fanden sich Musterwege für die Animation zu fünft. Fortbewegung wurde zum Mittelpunkt von Dundus Lebendigwerden.
Aus einer stetigen Bewegungsabfolge heraus fiel es leichter, zu fünft ins Spiel zu kommen, weil Aktionen absehbarer wurden und das vorgegebene zur Variation einludt. Die Spieler übernahmen gemeinschaftlich die Verantwortung für Dundus Ausdruck.

Die schwierigste Aufgabe für das Spielerkollektiv – Fünf Egos versuchen einen Menschen zu animieren, wobei jeder erst einmal seine eigene menschliche Vorstellung von Bewegung infrage stellen muss und die bereits vor seinem inneren Auge erschaffenen Bilder als nur einen von fünf möglichen Wegen zum Ausdruck erkennen muss. Die Offenheit, zuzuhören, das eigene Wissen ruhen zu lassen und seine Vorstellungen zu erweitern, war Husemann immer wichtiger als die Erweiterung des Ausdrucksrepertoires – es ging ums Zusammenfinden.

Trotzdem wuchs das Wissen um Dundus Animation, es enstand ein von Spieler zu Spieler weitervermittelter „Katalog“ an Einzelbewegungen. Nach Abläufen für Laufen, Rennen und Kriechen festigten sich bald verschiedene Sprünge, Tänze, choreografierte Emotionsausbrüche, Klischeeposen und sogar Bewegungen, welche den Naturgesetzen trotzen, – wie auf der Stelle rennen oder fliegen.

Neue Spieler haben eine besondere Hürde zu meistern: Erst einmal mit dem eigenen Körper zu lernen, wie sich eine Bewegung von Dundu herbeiführen lässt. Aufgrund seiner Größe muss man mit enormen Hebelkräften umgehen und das eigene Gewicht für die Stabilisierung der Puppe einsetzen. Die Handgelenke beispielsweise sind so weit entfernt, dass man sie nur aus dem richtigen Winkel, also von einem bestimmten Standort des Spielers aus ideal ansteuern kann, damit sie nicht sperren und die Bewegung ruhig wirkt.

Doch oft muss es auch mit nicht idealen Spielbedingungen Spass machen. Manchmal ist zu wenig Platz, es ist gerade Winter und bitterkalt draußen, Dundu hat sich in einem Baum verhakt oder es kommt Hektik auf, weil die Technik kurzfristig ausgebessert werden muss.
Vor jedem Auftritt werden Ideen und mögliche Intentionen von Dundu zusammengetragen und die daraus resultierenden Bewegungsabläufe besprochen. Manchmal werden uns einzelne Handlungen vorgegeben, die Dundu ausführen soll, und diese werden dann ebenfalls erstmal auf möglichst sinnvolle Bewegungsabläufe hin untersucht.

Der Rest ist Interaktion mit Umraum und Publikum als frei improvisiertes Spiel.

10 Jahre Wegstrecke

Vom Dundu- Konzertact, welcher mit kleinen Einzelszenen die Musik bereicherte, mauserte sich der Riese zum interaktiven Walkact mit Musik und zum vielseitigen Darsteller bei kulturellen Großereignissen und Unternehmensveranstaltungen.

Im Frühjahr 2012, als gerade nur wenige Auftritte zu proben waren, entstand spontan die erste abendfüllende Show. In „Tobsenstein – Dundu erwacht“ spielte Husemann sich selbst in einer irren Phantasieversion über Dundus Entstehung.
Noch vor der Figur erschuf er darin die Spieler, welche im folgenden auch mit eigenen Einlagen auftraten – Tanz, Jonglage, Feuer, Schauspiel und chorisches Sprechen machten die Show zu einem Feature aus allen Einflüssen, welche bei Dundu zusammengefunden hatten.
Die Musik mit afrikanischer Stabharfe, Klangschalen, electro und vielfältiger Percussion steuerten widerum Stefan Charisius und befreundete Musiker bei, welche als DUNDUMUSIK auch allein unterwegs sind.
Aktuell probt ein Teil des Ensembles am 2. Stück, welches im Juni 2014 Premiere feiert. Diesmal geht es uns darum, herauszufinden, inwieweit die Figuren aus sich selbst heraus tragen können und in einem Stück mit lauter Dundus im leeren Raum auch unterschiedliche Rollen einnehmen können.

Die Vorstellungen sind für große Plätze und Hallen geplant, natürlich gibt es wieder Musik, aber Dundu ist jetzt Protagonist. Finanziert wird das Stück durch eigenerwirtschaftete Mittel und mit größtmöglicher Freiheit. Während der Probenzeit hat Dundu nur wenige andere Auftritte, die Konzentration darf beim Proben bleiben und zum ersten Mal erhalten die Spieler während dieser Zeit eine feste Gage.

Der Traum vom festen Ensemble, welches mit Dundu die nächsten Entwicklungsschritte gehen wird und ihn eines Tages die großen Hallen alleine füllen lässt, rückt ein Stück näher. Vorläufig möchten wir dem Anspruch gerecht werden, mit unserem Riesentheater hunderten Passanten eine runde Geschichte mit auf den Weg zu geben. Wir möchten uns als Theateract bei Festivals und der Kleinkunstszene neu vorstellen. Daneben erhalten wir unser bereits etabliertes Angebot.

Wir sind auf dem Weg, subventionsfrei und unabhängig Kunst zu machen – seit 2006 und auch in Zukunft.

Dundu bleibt, bei allem Erfog, eher ein produktives Forschungslabor statt einer repräsentativen Produktionsstätte.

Die Möglichkeit, uns spontan zu entwickeln, der Wirtschaft anzubieten, was wir gerade anbieten möchten und nebenher soziale Projekte, die wir wichtig finden, mit Auftritten von Dundu zu unterstützen, bringt die Spieler mitlerweile von Marktplatz zu Event zu Show zu Fernsehen und wieder zurück zu den Menschen auf die Straße.

Viele idealistische helfende Freunde, viel Geschick, Glück und entwickeltes Können, nicht zuletzt aber die großartige Möglichkeit, Raum für Kunst in Stuttgart zu haben, lassen DUNDU weltweit Erfolg haben und bescheren dem Ensemble eine positive Grundhaltung, welche nicht darum bitten muss, weitergegeben zu werden.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.