27 – Siebenundzwanzig

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. (Informationen zu „Elphenbein“ unter
www.pies-gestalten.de/ueber-elphenbein/ )

Kapitel 27 – Siebenundzwanzig

In der ersten Zeit schmuggelten sich Anne und Ellis gemeinsam in Diskos. Wenn sie doch einmal aufgehalten wurden, verhießen sie den Türstehern so lange schöne Aussichten für den Rest der Nacht, bis einer sie schließlich in den Club schleuste.

Ihre so attraktive Unerfahrenheit mussten sie kaum spielen, trotzdem  fühlten Sie sich clever. Ihre Freundschaft schien nach kurzer Zeit eingespielt, sie sahen aus wie Schwestern – ein starkes Team auf dem Vormarsch in unbekanntem Terrain. Sie flirteten miteinander und erregten Aufsehen.

Das noch zu erobernde Nachtleben bot den Beiden immer mehr Anreize, ihr äußerliches Erscheinungsbild gezielt auszuspielen.
Fast jeder Mann, der in ihrem Visier landete, erlag der Vorstellung zweier lüsterner Freundinnen und gab sich auf absonderliche Art der Lächerlichkeit preis. Außerdem war alle Getränke umsonst.

Ein großer Unterhaltungswert lag in dieser Art der Vorführung, außerdem das Gefühl einer neuen Macht, die nur durch das neue Bündnis von Elis mit Anne entstanden war –
und obwohl die Beiden es mit ihrer Inszenierung von zwischenweiblicher Erotik auf den Partys nie besonders weit trieben, kamen sie sich doch an jedem Abend ein Stück näher. 

Als sie das erste Mal wegen mangelndem Wille zur Anpassung von einer WG-Feier flogen, endeten sie ganz privat knutschend im Hinterhof.
Der Ausstieg aus dem Klofenster einer Disko mit anschließendem Wegrennen und Verstecken endete in Annes Zimmer mit nackten Fummeleien.

Das Rumgeschiebe wurde zur Gewohnheit, wenn sie Abends unterwegs waren, blieb aber unverbindlich. Elli schlief weiterhin auf dem Sofa. Es war Anfang der Sommerferien, als sie sich das erste Mal mit unter Annes Bettdecke legte.

Elli seufzte.  „Anne hat mir das mal so erklärt: Als sie noch nicht wusste, dass ich ne Lesbe bin, war für sie kein Risiko bei der Sache, von wegen, sie war nur sicher, dass ich Spaß dran hatte, was mit ihr zu haben.
Sie hat gesagt, als sie es dann wusste, hätte sie sich plötzlich ganz andere Sachen fragen müssen. Also, das – “
Elli schüttelte den Kopf,

“ – warte mal, ich muss mich mal hinsetzen jetzt, das ist eigentlich echt zu hart.“
Sie ließ sich neben Helia an der Wand zu Boden rutschen, lachte ungläubig, und setzte von neuem an.

„Zum Glück hat sie das erst später vom Stapel gelassen, sonst hätte ich wahrscheinlich echt an mir gezweifelt.
Sie hat mir nämlich eröffnet, dass sie sich dann urplötzlich damit hätte auseinandersetzen müssen, ob ich denn tatsächlich auf sie stehe, und ob ich sie ficken wolle, gar nicht daran zu denken, dass ich ja verliebt sein könnte. Und sie zwingen, ab sofort auch lesbisch zu sein! Auf so was Bescheuertes muss man erstmal kommen.“

Wie sich heraus stellte, kam Anne  bald zu noch mehr bescheuerten Gedanken. Sie sprachen aber nie wieder über ihre Beziehung zueinander, nachdem Ellis ihre Neigung offenbart hatte.

In der verbleibenden Zeit taten sie alles nur zum Spaß. Dennoch lag unter der ausgestellten Freizügigkeit eine wilde Tiefe.

Wenn sie sich nach all den Abenteuern auf dem Bett zusammenkuschelten, glaubte Elli durch die warme Haut ihrer Freundin jeden einzelnen Knochen fühlen zu können, wie bei einem kleinen, zerbrechlichen Vogel. Sie blieb lange wach, wenn Anne schon schlief, und streichelte vorsichtig deren seidiges Haar, das auch nach der härtesten Nacht niemals zerzaust wirken würde.

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