29 – Neunundzwanzig

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild im Text. (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 29 – Neunundzwanzig

Mit einem dreiviertel Jahr Verspätung war Anne zurückgekehrt. Kanada hatte aus ihr ein aufstrebendes Fotomodell gemacht, entdeckt in Vancouver, gerade war sie in Berlin, „wieder zuhause in Deutschland!“, und würde nächstes Wochenende nach Dresden kommen. Als Samstag mittag am Bahnhof Trachau die Bustüren auseinander glitten, musste Elli belustigt feststellen, dass Anne noch immer den selben, alten Haarschnitt trug, den sie in der 10. Klasse von ihr abgekupfert hatte.

Die Anwesenheit ihrer Ex-Freundin….

– „es ist schon lustig, aber so habe ich sie damals gesehen“ –

… veränderte sofort Ellis nur vage durchdachte Zukunftspläne.
Die Eltern bestanden darauf, dass das Abitur wiederholt werden müsse. Aber mit Anne als freiem, sozusagen „arbeitenden Vorbild“, wollte sie nicht wieder allein zurück an die Schulbank.
Sie wiedersetzte sich, pochte auf ihre ausreichende mittlere Reife,
und bewarb sich schließlich für ein freies soziales Jahr.

Was ursprünglich als Notlösung gedacht war – die Frist für Lehrstellen war längst abgelaufen -, verschaffte E ganz nebenbei eine Wohnung in Dresden, den ersten eigenen Job und die Möglichkeit, sich ausführlicher mit Anne zu treffen, die bald immer häufiger und länger in der Stadt blieb.

elf29

 

„Eigentlich hätte ich schon damals bemerken müssen, das bei ihr was schief gelaufen war, und dass sie offensichtlich doch nicht die große Karriere machen würde. Wahrscheinlich ist sie überhaupt nur aus Kanada zurückgekommen, weil sie dort keiner mehr haben wollte!“ Sie drehte sich zu Helia. „Ich bin schon ein unglaublich leicht zu täuschender Mensch, es ist wirklich zum Kotzen.“
Heliane schwieg.

Trotz allem war Ellis wieder mit Anne zusammengekommen.
Als das FSJ beendet war, bemühte sie sich nicht um einen Ausbildungsplatz, aus Angst, Dresden verlassen zu müssen.
Das Personal im Altenheim war ausreichend zufrieden mit ihr,
um sie ein weiteres Jahr lang gelegentlich arbeiten zu lassen, außerdem verdiente sie mittlerweile des öfteren Geld mit Fotoshootings, für die sie gemeinsam mit Anne gebucht wurde.
Es häuften sich auch Vorfälle, bei denen ihr Anne heulend einzelne Termine abtrat, zu denen sie aus diesem oder jenem Grund nicht selbst erscheinen konnte.

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