3 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)Gegenlicht in Reims, Einkaufsstraße

Kapitel 3 – DREI

Klar, Sonnenbrille hab ich auch, aber das wäre jetzt unangebracht…vollkommen unangebracht an einem Tag so wunderschön
wie diesem, Wochenende, wo viel zu viele Yuppies mit ihren Sonnenbrillen durch die Straßen, unterm Himmel flanieren
und sich mit jeder Bewegung mehr in den Boden stehen;
unmöglich dass die irgendwann mal vorwärts kommen, Langsamlatscher: und auf der Prager Straße stehen sie wie ein Säulenwald, kein Durchkommen ohne zu Rempeln, und scheiße ja ich hab auch Bock dieses widerliche hässliche Pack einfach wegzustoßen.

Auch wenn ich weiß, dass ich nur wegen dem Runterkommen so drauf bin.

Und ich weiß; ich fühle in diesem Moment; und ich kann meine Gedanken nicht davon abwenden; davon dass ich geradezu
greifbar genau weiß was in meinem Kopf vorgeht wenn ich
den shoppenden Wannabes die JUCHU schreien für nen verkaufsoffenen Sonntag vor mir am liebsten die Stirn in den Nacken dreschen und die Schienbeine nach vorn kicken will
– wegstoßen was ich abstoßend finde.

Ekel geht um im Paradies. Aggro nach außen wenn es sich innerlich anfühlt, als würde sich der ganze Körper zusammenziehen,
oder vielmehr das Körperinnere
– Wie nach dem Schock eines Zitronenbisses; die äußere Haut bleibt standhaft wie immer.
Doch drinnen … zieht jeder Muskel an, schrumpelt zusammen, die Wut kompensiert sich:

Möglichst viel Energie wird auf geringstmöglicher Angriffsfläche gebündelt. Die Wut krampft den Körper zusammen,
Ekel… ist nicht Hass. Denn innerlich fühlt sich dieses „abstoßend“ so an, als würde in die Lücke zwischen der äußeren Haut und dem angespannten Innern Tränen gepumpt – ausgehend von den Wangen, rinnt das Jaulewasser allmählich immer weiter in die Gliedmaßen.
Wer nicht fähig ist, diese Entwicklung zu stoppen, dem wird die eigene Nässe schwer in die Schultern und Arme und Gelenke und zwischen den Beine innen Richtung Knie hinabsickern und wieder hoch und ersaufen –

Ich hab Tränen in den Augen.
Scheiße, ich muss an was anderes denken.
Kinn parallel zum Boden. Bauch rein, Brust raus. Welcher Bauch?
Ich hab Hunger.
Helle Hochhausfassaden im Sonnenlicht und unten links neben dem H&M vorne an der Ecke der HotDogMann mit dem lieblingsbesten Salat der Schnellimbiss Welt.

Heute ist ein guter Tag.

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