33 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild im Text. (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 33 – Dreiunddreißig

Ich bin schrecklich müde. Vor meinen Augen tauchen Bilder auf, die kaum fassbar sind. Ich versuche, mich auf die letzten Tage zu konzentrieren, aber es gelingt nicht.
Alles, was ich sehen kann, ist die Zukunft.
Von dort winkt mir eine Verabredung mit Helia, sie läuft über die Wiese draußen vor den Fenstern und lacht.

Das Gras ist grün, ein Stück weiter hinten stehen Bäume, und die Sonne scheint noch immer.
Ich stelle mir einen Regenguss vor, der auf die Landschaft niedergeht, mit riesigen klatschenden Tropfen, ein Wasservorhang.
Wie an meinem Geburtstag.

Die Erinnerung kommt, und es ist keine, die ich mir gewünscht hätte, aber es ist ein Film, der da in meinem Kopf abläuft und an dem ich mich festhalten kann.

In dieser Nacht, irgendwo im Wald in einer alten Jugendheimbaracke, habe ich Helia das erste Mal Koks nehmen sehen.

Nach meinem Rumgeheule wegen Anne hatte mich Helia auf die Tanzfläche im hinteren Raum gezerrt. Dort sprangen alle und verausgabten sich, DnB, was für ein anstrengender Tanzstil.
Wir bewegten uns eine Weile, aber der richtige Groove wollte nicht kommen.
Sie spielten einen besonderen Mix aus Undergroundplatten, die jeder kannte, außer uns. Der ganze Freundeskreis war am Abfeiern. Ich tanzte abwartend, Helia wirbelte vor mir durch den Raum, aber nach dem zehnten unbekannten Track, gleichklingend wie die anderen, gab ich auf und zog mich zurück.

Plötzlich habe ich den Geschmack von dem Moment wieder auf der Zunge, ich will das nicht, diese plastischen ekelhaften Details in meinem Kopf…

An der Wand war es feucht, verdunsteter Schweiß sammelte sich an der Decke und tropfte vereinzelt auf die Tanzenden.

Wir bestellten Wodka-O, mit voranschreitender Nacht war das Angebot an der Theke ausgeweitet worden. Mia kam vorbei und verabschiedete sich, wünschte einen angenehmen Ausklang des Geburtstags.

Angesichts der vergangenen Stunden wirkte das wie ein Witz, aber Helia nutzte die Gelegenheit, um mir überschwänglich zu gratulieren. Ob ich denn schon ein Geschenk bekommen hätte?

Wir saßen in einer Ecke vor Kerzen, ich zog das zusammengefaltete Tütchen aus der Hosentasche, legte es auf meine Hand und hielt es ihr direkt vors Gesicht.

Mein Geschenk an mich.

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