37 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. (Informationen zu „Elphenbein“ unter
www.pies-gestalten.de/ueber-elphenbein/ )
Kapitel 37 – Siebenunddreißig

Ich will allein sein.

Das hat einen Grund: So lange ich mich nicht in Gesellschaft begebe, kann ich mir zumindest vorstellen, mit allem, was passiert, noch irgendwie fertig zu werden.

Helia aber trifft mich völlig unvorbereitet – diese Frau, sie hat keine Manieren, und kennt keine Regeln.
Ich fühle mich aus dem Hinterhalt angegriffen, weil ich nur noch die Zeit runterzählen kann, bis sie in der Tür steht.
Sie drängt mich schon jetzt in die Ecke.

Helia im Kopf, schön und gut, aber bitte nicht in der Wirklichkeit, da bin ich nämlich selber gerade nicht anwesend.
Am liebsten würde ich es mir vorher auf die Stirn schreiben oder wie ein Banner vor mich halten: Du kriegst meinen Arsch nicht, und erst recht nicht meine Fotze! Ich will nicht –

„Entschuldigung, ist hier noch frei?“ Im Mittelgang des Zuges steht plötzlich eine Frau und reißt mich aus meinen Tagträumen.
Ich schaue sie verdattert an – Mitte vierzig, blonde Igelfrisur und – Lächeln.

Ich nicke und sage ja. Als sie neben mir Platz nimmt, folgen meine Augen jeder ihrer Bewegungen. Das kann ich gar nicht verhindern – etwas in meinem Kopf ist gerade ausgehakt.

Aus dem diffusen Nebel, der in dickem Grau den Durchgang zu meinem Filmriss blockiert, löst sich eine Erinnerung, oder ein Bild:
Anne mit jetzt hüftlangen Haaren wird umarmt von ihrer neuen Freundin.
Die sonnenbraunen und übertrainierten Arme auf ihrem Rücken gehören zu einer gewissen Fotografin – Annes Pusherin, für die sie so viel Zeit hatte, während ich auf am Rande ihrer Karriere zum umworbenen Fotomodell einfach fallen gelassen wurde.

Zack! Fotografin und Entdeckerin aber vor allem Aufreißerin.

Und jedenfalls sieht die Frau meiner aktuellen Sitznachbarin zum Verwechseln ähnlich. Bis auf ein paar Jahre Altersunterschied – es ist zum Glück nicht dieselbe Person.
Eine kleine Freundlichkeit, die mir der Tag gewährt, aber meine Laune steht trotzdem erstmal unter Schock.

 

 

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