38 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. (Informationen zu „Elphenbein“ unter
www.pies-gestalten.de/ueber-elphenbein/ )

Kapitel 38 – Achtunddreißig

Ich verdränge das Bild von Anne und ihrer Neuen und versenke es mit einem kräftigen Tritt in der Pfütze der schwarzen Gedanken.
– gedeckelt!

Was passiert gerade?
Draußen ziehen Masten – Masten – Masten vorbei und Wiese und Kühe und Dorf.

Was mich allerdings interessieren würde: Wie lange ist es her (Bild doch nochmal hochgekramt), dass die beiden vor dem Ballhaus Watzke zugegen waren und ich gleich Morgens diese schmerzlichen Begegnung haben musste?
Mein Weg führt nur Donnerstags dort vorbei.
Habe ich letzten Donnerstag Gras gekauft? – Nein. Kontrolle: am Wochenende zuvor hatte ich Helia am Rande einer Tanzfläche getroffen, und es war absolut nicht einfach, die Party ohne sie wieder zu verlassen.

Ein anderes Mal nach dem Treffen mit Anne sah ich sie mir plötzlich auf der Kaufhaustreppe entgegenfahren, zum Glück schaute sie in eine andere Richtung.
Sie schien beschäftigt. Und ich war in diesem Moment sauer, so eine Art von schlecht gelaunt, die nicht mal kurz die Laune verbiegt, sondern beharrlich und über Tage hinweg an einem zehrt.

Als Opfer von Liebeskummer war ich genervt von der Welt und von Helia, ohne dass sie mich dafür bemerken musste. Ich senkte den Kopf, und sie fuhr an mir vorbei.

Man kann einen geliebten Menschen eben doch nicht durch den nächstbesten ersetzen, egal wie oft man vor den Kopf gestoßen wurde, und auch völlig egal ob man sich lächerlicherweise anstrengt, den anderen attraktiv zu finden. Ich brauchte einen halben Tag, um mich in Helias Chaos zurechtzufinden, zwischen Kunst und Krempel an ihr dran zu bleiben, bis ich halbwegs verstanden hatte worum es ihr ging und wir auf der Matte landeten.

Aber diese einzige kurze Begegnung mit Anne reichte vollkommen aus, um mich daran zu erinnern, in welche Welt ich gehörte.
Eine Welt, in der Drogen noch Spaß machten, weil sie was Besonderes waren und man sich gegenseitig im Griff hatte. Mir ist immer noch schlecht.

Aber Ich bin sicher, dass ich am Freitag noch Feiern war. Zumindest Bruchteile einer Erinnerung von der Party im Ballwerk existieren. Und wieder wird alles schwarz. Tunnelblick, direkt zurück nach Dresden .

Ich sehe aus dem Fenster. Die Gleise verzweigen sich in viele Wege, auf denen die Züge einem gemeinsamen Endpunkt entgegen rauschen. Sie drosseln ihr Tempo. Die Weichen werfen sie nach links und rechts. Und dann werden sie alle gemeinsam versammelt, unter einem großen Gebäude aus dreckigem Glas und Stahl.

Ich bin wieder dort, wo mein sinnloser kleiner Ausflug begonnen hat:
Am Hauptbahnhof.

 

 

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