8 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)elf8

8 – ACHT

Wieso ich?
– „Wieso ICH?“

Vom anderen Ende antwortet mir ein verkniffenes Räuspern. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dir nichts erzählt hat, selbst, wenn dir aus mir nicht verständlichen Gründen ihr äußerlicher Zustand entgangen sein sollte. Ich kann verstehen, wenn sie mit mir nicht weiter darüber reden will, aber das hält mich nicht davon ab mich in diese Sache einzumischen. Und DU wirst mir verraten, wer daran beteiligt war!“

Er ist so laut geworden, dass seine Stimme übersteuert und eine Frau sich kopfschüttelnd nach mir umdreht.

„Helia hat mir nichts gesagt! Ich habe nicht mit ihr geredet! Ich hab sie nichtmal gesehn!“ –

„Erzähl mir keine Scheiße, ihr wart gestern zusammen!“
Er brüllt mich so an, das ich fast heulen muss.
„Woher soll ich das wissen!“ Ich hasse mich selbst dafür, aber ich musste schon als Kind immer heulen, wenn jemand in meiner Familie angebrüllt wurde.
Mein Cousin hat meine Tante einmal so angebrüllt, dass sie vor Angst rückwärts durch die Balkontür gekracht ist. Noch nach Wochen mussten wir ihr die eitrigen Splitter aus dem Rücken ziehen. Dabei sind Menschen die einzigen Wesen, welche durch bloßes Anschreien Todesangst aufbauen können. Ein Tier würde es nur als Drohung verstehen und weglaufen.

„Ich hab nen Filmriss!“, heule ich. „Ich hab Helia nicht getroffen, also, ich weiß es halt nicht!“

Ich laufe immer schneller, renne fast. Vor dem Hauptbahnhof weicht mir ein Fahrradfahrer aus, schwenkt auf die im Boden verlegten Straßenbahngleise, rutscht weg, fällt hin.
Das Handy immernoch ans Ohr gedrück, mit Tränen auf den Wangen, reiche ich dem Fahrradfahrer meine Linke Hand, helfe ihm hoch, er hat sich nichts getan.

„Du dumme Drogenbitch! Was habt ihr mit Heliane gemacht?“
– „Ich wars nicht!“ Ich schreie, der Radler starrt mich verständnislos an, ich werde hier zubombardiert von allen Seiten.

„UND WO IST SIE JETZT?“

– „LECK MICH AM ARSCH! RUF MICH NIE WIEDER AN!“ Ich drücke den roten Hörer.

„Pass halt mal besser auf“, sagt der Radfahrer und fährt weg.
Lass mich in Ruhe, will ich ihm nachschreien, aber ich tus nicht, der Typ würde es eh nicht kapieren. Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und laufe durch den Bahnhofseingang.

Ich hasse mich, aber alle anderen finde ich auch nicht besser.

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