9 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 9 – NEUN

13. April, vor Ellis Wohnungstür.
Es war halb vier Uhr Morgens, Wochenende, Ostern, aber noch überraschend kalt für eine Frühlingsnacht. Elisabeth hatte in ihrer Angetrunkenheit entsprechendem Tempo den Schlüssel herumgedreht und H mit in die Wohnung genommen.
Noch auf dem Fußabtreter stehend hantierte sie ärgerlich mit ihrer Handtasche, zerrte am Schloss und rempelte gegen die dicht hinter ihr wartende Helia, die betreten ein Schritt zurückwich.
„Ich hoffe, es macht dir keine Umstände, sag mir einfach, wann ich morgen früh weg sein soll.“

elf9

Die Tür sprang auf, aber E sah sich nicht um und rief ihre Antwort mit einem großen Schritt über die Schwelle geradewegs in die Wohnung hinein.
„Ist doch kein Problem – erstmal schläfst du hier und dann, kein Stress.“ Nicht überzeugt stolperte Heliane hinterher, das Zimmer war dunkel. „Danke, das echt nett.“
Sie schloss die Tür, aber es wurde kein Licht angeschaltet, also stand sie wartend im Finstern.

Der Schein einer funzligen Nachttischleuchte im Nebenraum erhellte nur langsam den Raum, und sie erkannte die Andere dicht vor sich, schon mit einer Wolldecke und Laken unterm Arm an einem Ausklappsofa hantierend. Sie stand abgewendet, warf energisch ihren blonden Zopf zurück.
Helia trat von einem Fuß auf den anderen und wartete auf eine Gelegenheit, zu helfen.
Es ergab sich keine, also maß sie mit einigen Blicken ihre Umgebung.

Es war schwer zu sagen ob sie sich in der kleinsten, unaufgeräumtesten, lagweiligsten oder gemütlichsten Dachwohnung befand die sie je betreten hatte. Unter dem heruntergelassenen Rolladen ließ ein schmaler Spalt gerade soviel Licht von draußen herein, das Helia nun den Haufen aus Kleidungsstücken, Schuhen und Cds erahnen konntern, auf welchem sie stand.

In der Luft hing der gewöhnungsbedürftige Geruch einer Duftkerze, drückend, süßlich, seifig.
Links neben ihr klotzte ein kolossaler Kleiderschrank, zweifelsohne einer Jugendzimmereinrichtung entsprungen.
Bei einem Schritt zurück setzte sie sich beinahe auf den Fernseher und warf dabei einige Stofftiere herunter – Diddl war auch dabei.

Wenn sich Helia später daran erinnern würde, was ihr erster Eindruck von E gewesen war, würde der so ausfallen: Blond, ein Geschmack wie geradewegs der Bravo entsprungen… in Amerika hätte man gesagt: Cheerleader. Ein langweiliges Mädchen, dessen einzige Verruchtheit darin bestand, verrucht zu tun. Ein bisschen zickig, sonst nett. Ziemlich hübsch.

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