28 – Achtundzwanzig

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. (Informationen zu „Elphenbein“ unter
www.pies-gestalten.de/ueber-elphenbein/ )

Kapitel 28 – Achtundzwanzig

„Ich hab mich nicht oft gefragt, ob ich eigentlich glücklich
mit der Situation bin. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir nur ein seltsamer Vergleich ein – Sie war wie aus Elfenbein….unglaublich schön, sie schien mir das edelste und teuerste überhaupt.
Aber ich wusste irgendwie, dass ich sie nicht haben durfte.
Trotzdem war es mir egal, wie viele Lügen und wie viel Dreck damit verbunden waren. Ich habe einfach mit allen gebrochen, als ich mit ihr zusammen war, und dadurch wurde sie irgendwie „meins“.

Tja, manche Dinge darf man eben nicht besitzen. Im Herbst ist sie dann weg geflogen, und auf einmal war ich komplett allein.“

Elli schwieg. Helia hatte sich mittlerweile neben ihr auf den Boden sinken lassen und schaute trübsinnig auf die gegenüberliegende Wand.
„Aber das kann ihr doch nicht einfach egal gewesen sein, wenn ihr so viel miteinander gemacht habt!“, sagte sie plötzlich, es klang empört.
„So jemandem wie Anne“, antwortete Elli, „ist  wahrscheinlich Vieles egal.“
Die Tür schwang auf, und sie mussten die Beine anziehen, um einen Tross von klatschnassen Jungen vorbeizulassen. Sie strauchelten herein; standen offenbar am Ende einer Weltreise, sonst hätten sie unmöglich eine derartige Menge  Nieselregen in ihrer Kleidung aufsaugen können.
Elli verzog den Mund. „Was ist das eigentlich für ein Assiladen hier“, schimpfte sie, gerade so laut, dass nur Helia es hören konnte.

Es dauerte noch 2 Minuten, viel ausgewrungenem Wasser und ein umgetretenes Bier, bis wieder Ruhe einkehrte. Abgestandene Stimmung,  getragen vom Wummern der Bässe hinter zwei dicken Feuerschutztüren.

„Hat sie sich denn gar nicht mehr gemeldet?“, fragte Helia, und sah Elli direkt ins Gesicht. Sie bemerkte es nicht.

„Anne hat mir ganze drei mal geschrieben, während der Zeit, und zweimal nur irgendwelche gammeligen Postkarten.“

E war resigniert gewesen, auch wenn sie sich kaum mehr erhofft hatte. Das letzte Schuljahr verbrachte sie allein, oder fast allein –
mit ihrem Cousin Steve und seinen Freunden, was kaum ein Ersatz war. Vor allem nicht abends, unterwegs in Dresden.
Ansonsten blieb sie zuhause oder lief mit dem Hund der Nachbarin übers Feld und verpasste morgens absichtlich die Straßenbahn.

Ohnehin wusste sie bereits, dass sie nicht studieren wollte, und gab sich deshalb auch keine große Mühe mehr beim Lernen.
Das Abitur rauschte vorbei und quittierte ihr mangelndes Interesse mit einem „nicht bestanden“. Elli war überrascht, aber nicht besorgt.

Wenige Tage nach ihrem verpassten Schulabschluss wurde sie eines Morgens um halb fünf  von Handyklingeln geweckt.
Auf dem Display leuchtete eine altbekannte Nummer.

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