23 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild im Text. (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 23 – Dreiundzwanzig

Die letzte Straßenlaterne vor dem Kiesweg beherbergte in ihrem Schein eine Großfamilie Motten. Jedes Mal, wenn ein Falter gegen die Glühbirne geflogen war, knackte es leise, die Lampe flackerte, rang um ihr Licht, erreichte wieder ihr vollständiges Leuchten;
aber zu viele Tierchen prügelten sich um die kleine Sonne.
Die Laterne unternahm einen letzten Versuch, scheiterte, und nun lag die Wiese in Dunkelheit.

Aus der Baracke am Ende des Weges drang Musik, ungedämpft wummerte der Bass aus dem ehemaligen Waschhaus, aber niemand würde sich hier daran stören.
Die Anlage des alten Betriebsferienlagers lag weit außerhalb und war mittlerweile gänzlich unbewohnt.

„Du hättest die Party trotzdem nicht bei Facebook reinstellen sollen!“ Ronny schob drinnen ärgerlich das Bier über den Tresen, aber Elisabeth zeigte sich gänzlich unbeeindruckt.

„Ich hab nur Leute zu meinem Geburtstag eingeladen, jetzt tu nicht so als würde sich jemand wegen eurer Parties hier zu viele Gedanken machen. Außerdem hast du selbst gesagt, dass ich viele Mädels mitbringen soll.“
Und damit wendete sie sich ab und verzog sich wieder in die Chillout-Ecke zu ihren Freunden.

Jedenfalls, dachte Ronny und sah ihr nach, werde ich dich sicher nicht mehr auf unsere Parties lotsen. Ellis Begleitung, fand er,
passte überhaupt nicht zum Konzept der Veranstaltung, und obwohl er Sie während der Zeit im Altenheim immer gemocht und ein Auge auf sie geworfen hatte, war die Anwesenheit der aufgetakelten Mädels und ihrem Gefolge überhaupt nicht nach seinem Geschmack.
Wieder eine Frau falsch eingeschätzt, dachte er resigniert, füllte zwei Kästen mit leeren Flaschen und ging nach draußen.

„Elli, du wirst doch jetzt nicht schlappmachen!“
Ihr Cousin, ein bulliger Glatzkopf mit kindlichem Gesicht, stieß sie ruppig gegen die Schulter.
„Komm schon, 30. April! Noch ne halbe Stunde Geburtstag!
Hoch die Tassen!“
Elli sah ihn aus glasigen Augen an.

„Ich hab euern Absinth nicht vertragen. Und was Mama heut Mittag gekocht hat war auch nicht so der Knaller.“
Der Cousin blinzelte.
„Da bin ich ja froh, dass ich nicht vorbeigekommen bin!
Ehrlich, du solltest öfter mal was mit uns machen, wenn du in Coswig bist…“
„ – Ich mach doch grade was mit euch.“

Steve und Maik, seine Freundin Sarah, deren Schwester Katrin und ihre Freundin Ivonne quetschten sich rund um Elli auf die zwei Sofas und bestellten Schnaps.
„Ja, heute!“, sagte Steve, „heute kannste ja auch nicht anders! Außerdem sind wir nich in Coswig. Apropos, wollten nicht eigentlich auch noch Leute von dir kommen?“

Sie schwieg und nuckelte an ihrem Bier.

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