11 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 11 – ELF

Elli fluchte, ging in die Knie und tastete unter dem Tisch nach ihrer Tasche mit einem halben Päckchen Zigaretten darin. Keine rumkrümelnden Drehutensilien, sondern richtige fertige Gute-Nacht-Zigaretten.
Sie stieß sich den Kopf und tauchte ergebnislos wieder auf.
„Also gut, ok, sorry. Wenn du mir eine Kippe geben kannst, können wir auf dem Balkon noch eine rauchen.“

elf11_Bo09TrautesHeim

Die Trainingsjacke von Helia hatte während der Party vor dem Pavillon gelegen.
Sie war nassgeregnet und enthielt nur Notizen nebst einem sich auflösenden Flyer.
Auch der Bund ihrer Schlaghose war mittlerweile durchweicht.
Sie präsentierte skeptisch ihre zerknautschte Kippenschachtel. „Vieleicht sind sie nicht mehr zu gebrauchen.
Und ich sollte meine Jacke über Nacht irgendwo aufhängen.“

Sie nahm für jede eine aus der Schachtel, löste in einer Bewegung den obersten Schnürsenkel ihrer kaffeebraunen Chucks und reichte ihrer Gastgeberin das aus dem Schaft hervorgezauberte Feuerzeug.

Neben der Dachgaube öffnete sich eine Tür zum winzigen Balkon.
Helia legte ihre Jacke über die Brüstung, leerte die Taschen,
strich die Ärmel glatt und nahm die Zigarette zurück, die Elli für sie gehalten hatte. Es war gerade ausreichend Platz für einen einzigen aufgestellten Stuhl und Zwei, die sich dünn aneinander drängten. Wenn man von außen hineinsah, spiegelte sich die Straßenlaterne mehrfach in den Fenstern und warf einen langen hellen Streifen vom Tischbein bis zum gegenüberliegenden Löwen.

“Ich habe ihn von meiner Oma geerbt.“

Helia sah durch die Scheibe. „Er ist sicher irre wertvoll.
Du solltest ihn schätzen lassen.“

„Ich möchte ihn nicht verkaufen. Ich weiß, es ist blöd, weil ich überhaupt keinen Platz habe für diesen Tisch – Aber im Ernst, wenn ich den Rest meiner Einrichtung damit vergleiche, ist er das absolut Schönste, was ich habe.“

Helia lächelte. „Nicht deine Wohnung?“

Elisabeth drehte ihr glattes blondes Haar mit beiden Händen zu einer Wurst.
„Doch. Alles meins. Aber ich hab nach der Schule erstmal wenig Geld gehabt und FSJ gemacht, dort hinten, im Altenheim.
Alles was hier steht ist noch von früher bei meinen Eltern in Coswig. Und Dresden ist auch nicht billig, vor allem, wenn man Tierpfleger werden will.“

Eine Weile lang schwiegen sie beide. Plötzlich hob E den Kopf und sagte unvermittelt in die Nach hinein: „Ich wünschte, ich hätte jetzt was zu Kiffen.“

Helia war überrascht, als sie das hörte – ausgesprochen von diesem Mädchen. Nichtsdestoweniger freute sie sich und ergriff die Chance, die Stimmung aufzulockern. Jedenfalls hatte sie keine Scheu, sich als Gelegenheitskifferin zu outen,
als sie antwortete:
„Ich hab vorhin im Garten was geschenkt bekommen, von so einem dunklen Typ mit Locken. Ich kenne ihn nicht, aber von mir aus können wir das Rauchen.“
Die Laune ihrer Gastgeberin schien sich sofort aufzuhellen.
„Ach von Simba?
Na den kenne ich, die Dumpfbacke hat mir heute Abend noch erzählt, er hätte Nichts.
Da brauchst du keine Angst zu haben, was der verkauft, ist ok.“ – Und nach einem absichernden Blick:
„Also nicht, dass ich dort Dauerkunde wäre. Aber der war mal mit einer alten Freundin von mir zusammen, der würde in dem Kreis von Leuten auf der Party keinen Scheiß verticken. Apropos – warum warst du eigentlich da?“

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