12 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 12 – ZWÖLF

Heliane tat so, als hätte sie die Frage nicht gehört und klaubte ein kleines Tütchen Gras hervor – aus dem anderen Schuh.

„Bist du neu hergezogen oder kanntest du jemanden?“ Elli streckte ihre Hände nach dem Tütchen aus. „Lass mich bauen. Ich hab total gute Longpapers.“

Helia reichte ihr noch ein Stück Pappe. „Ich wohne am anderen Elbufer, mitten in der Altstadt. Ich hab meine letzte Bahn verpasst und wäre sonst gelaufen – aber jetzt bin ich ja hier.“
Elli nickte. „Ich glaube, das ist auch ganz gut so. Der Kleine, von dem du, beziehungsweise wir dieses Gras haben – es war derselbe, der mir auch den Tip gegeben hat, dass ich dich mit hierher nehme-“ sie zwinkerte, aber Helia verstand nicht, „-, Arielle.“

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Mit beiden Händen knibbelte die Rothaarige an ihrem Zopfgummi herum. „Sag nicht, ich soll sie abschneiden.“

Aber Elli war schon zu vertieft in ihre Aufgabe, mit total guten Longpapers was Schönes zu bauen.
„Also: wer baut, der haut.“ Genüsslich ließ sie die Flamme aufleuchten, nahm den ersten Zug für sich, hustete. Dann gab sie weiter. Die Andere rauchte schweigend und fror.

„Erzähl mal was von dir.“ E wurde übermütig. „Warum findest du meinen Tisch so geil?“

Helia, auch langsam die Wirkung des Joints spürend, hatte es mittlerweile fertig gebracht ihren Dutt aufzulösen und verteilte die Locken wärmend um ihre Schultern. „Ich werde bald ein Praktikum machen und dann erstmal Gemälde restaurieren. Und dann möchte ich studieren und vielleicht spezialisiere ich mich auch auf Möbel – wer weiß.“

Sie sahen in eine nichts bedeutende Richtung, nach einiger Zeit bemerkte Elisabeth ihr eigenes Zähneklappern. Sie schüttelte sich und musste grinsen. Die Zähne ihrer Nachbarin ratterten in noch heftigerem Staccato. „Wenn ich meine Hand auf den Kopf legen wackelt sie mit.“
Sie lachten und klapperten gemeinsam. Elli klammerte sich plötzlich an Helia. „Es hört auch davon nicht auf, oder?“ fragte sie leise.

Helia konnte sie riechen, kurz unter einer dünnen Ahnung von frisch gewaschenen Haaren; das waren sie wohl gewesen bevor E auf die Wiese gekommen war und Sie später vollgequalmt gegangen waren… Helia wurde umarmt, und obwohl die Haut der anderen nicht wärmer war als ihre eigene, entspannte sie sich.
Elli strich ihr kurz über die Arme, den Nacken, griff in die roten Locken. „Arielle“ dreht ihren Kopf und schüttelte Haare aus dem Gesicht, drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen, Ellis Antwort war heftiger, und sie erwiderte das nur zu gern. Es war schön, keine Skrupel zu empfinden, sich mitten in der Nacht gegen ein fremdes Mädchen zu drücken und ihr die Zunge in den Hals zu stecken.

Aber so stoned, dass sie in der Kälte auf dem Balkon bleiben wollten, war keine von Beiden. Elisabeth schloss die Balkontür, an der anderen Hand wurde sie von Helia zum Sofa gezogen. Mit trockenen Mündern saßen sie da, wickelten sich in die Decke, Kuss, „Ich hol was zu trinken“, Kuss, „warum hast du eigentlich vorhin das Bettlaken so ordentlich aufgezogen“, Kichern, Kuss, händchenhalten, schweigen, lächeln, das Gras ist gut, atmen, lächeln, leicht überfordert sein.

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