13 – Elphenbein

Achtung – dieser Fortsetzungsroman ist keine gute-Nacht-Geschichte. Achtung, nur für Erwachsene. Informationen zu „Elphenbein“ mit *klick* aufs Bild (Foto: Pies Gestalten)

Kapitel 13 – DREIZEHN

Sie sahen sich nicht an. Jede kurz in Gedanken, aber doch vollständig da, rückten sie näher und verstärkten den Händedruck, hauchten flüchtige Küsse auf den Hals.

elf13

Es war Elli, die schließlich ein Thema fand, um das Schweigen zu brechen.

„Dann wirst du also Künstlerin, ja?“

Helia fühlte sich geschmeichelt, musste aber widersprechen. „Restauratorin. Das sind mehr Handwerker oder Wissenschaftler, aber nicht wirkliche Künstler. Kunst machen nur Verrückte, oder Leute, die ihr eigenes kleines Ego überschätzen. Ich meine, wenn du Naturgesetze nicht kapiert hast oder null Hirn für empirische Entwicklungsfolgen aufzubringen vermagst, dann kannst du mit reinem Gewissen und ohne Sinn noch Künstler werden.“
E versuchte zu folgen, betrachtete Helia, die sie nicht ansah. Helia, die gerade einen Redeschwall auf die gegenüberliegende Rauhfasertapete los lies.
Elli lächelte. Es war schon verrückt, Menschen dabei zuzusehen, wenn sie ihre absolute Überzeugung kundtaten. Wie auf einem Film, ohne irgend jemanden wirklich zu adressieren, konnte man ihnen die Anstrengung ansehen, lang Durchdachtes in Worten auszuformulieren.

„Es klingt vielleicht abgehoben, aber in den aktuellen Verhältnissen kann überhaupt gar keine neue Kunst mehr entstehen“, sagte Helia gerade als sie näher gerückt war und ihren Kopf an die Schulter legte.

„Was für ein Verhältnis hättest du denn gern?

„Ich brauche kein bestimmtes Verhältnis. Ich brauche Freiheit. Stell dir vor, ein Künstler hat nur noch mit seinesgleichen zu tun. Ist ja schön, wenn die Künstler von Freiheit schwafeln, aber sie haben verdammt nochmal keine Ahnung was das heißt: Freiheit zu entscheiden mit wem du verkehrst, Freiheit ein Bild zu malen wenn du Lust hast und nicht weil du einen Auftrag hast, oder Freiheit von heute auf morgen das Malen sein zu lassen weil dich zum Beispiel Tiere viel mehr interessieren. Freiheit, Dinge auf sich zukommen zu lassen, zum Beispiel, dass du mich mit her genommen hast, einfach so, dass wir hier sitzen und drauf warten, was als nächstes passiert.“

„Als nächstes rauchen wir noch einen.“ Elli stand vom Sofa auf, drückte Helia einen Kuss auf die Schulter, verschwand hinterm Vorhang, „Aber du musst weiter erzählen.“

„Wenn man alles um sich herum, was das Leben so zu bieten hat, aufsaugt und kennen lernt und sich aneignet kann daraus etwas Neues entstehen. Das ist dann Kunst. Kunst ist Naturwissenschaft. Wissenschaft ist Freiheit, setze dich mit dem auseinander, was dir vor die Nase fällt, nimm dir Zeit, dann wird dir dein ganzes Leben nicht langweilig.“

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