15 – Elphenbein

Um halb zwei Uhr Nachmittags erwachte Helia abrupt aus traumlosem Schlaf. Vor ihr blinkte die Digitalanzeige eines Radioweckers, sie lag auf der Seite und fühlte sich gerädert. Die Luft war stickig, und in den Sonnenstrahlen, die durch das Dachfenster fielen, sah man Staub fliegen.
Sie lag an der Bettkante, horchte einen Moment, ob sich hinter ihr etwas bewegte.
Aufwachen neben E.

Wenn sie sich umdrehte, würde die andere dann schon wach sein?

Helia rührte sich nicht und starrte an die Wand.

Vor einer Stunde war sie in der WG zum Kochen verabredet gewesen. Stattdessen lag sie mit verrauchten Haaren in einer Pieschener Dachwohnung unter einem verblassten Traumfänger.

Sie hatte versucht wach zu bleiben, um nicht zu verschlafen.
Ihre Haut war verschwitzt, der Mund fühlte sich pelzig an, außerdem musste sie aufs Klo. Sie wischte mit dem Zeigefinger unter ihren Augen entlang um den verschmierten Kajal wegzureiben. Die einzige Vorbereitung, die sie treffen konnte, bevor sie ihrem One Night Stand gegenüber trat. Sie setzte sich auf.

Die Decke war zurückgeschlagen, sie saß allein im Bett. Für einen Moment fragte sie sich, ob Elli die Wohnung verlassen hatte, bis sie registrierte, das ihre Klamotten auf dem Wohnzimmerboden verteilt liegen mussten, und sie keine Wahl hatte, als es herauszufinden. Der Vorhang dorthin war zugezogen. Sie robbte vom Bett.

Elli saß, bereits angezogen und mit Kopfhörern, auf dem Sofa und sah Fern.
Vor ihr auf dem Boden stand ein aufgeschraubtes Nutellaglas, daneben lag auf einem Brett ein verschmiertes Messer und ein Stück Brot, die aufgerissene Packung ruhte auf ihrem Schoß.

Sie drehte ihren Kopf nach rechts und nahm einen Stöpsel aus dem Ohr. „Guten Morgen.“
Von der Zigarette in ihrer Hand stiegen Rauchschwaden auf.

– Jemand sollte das Fenster aufmachen, dachte Heliane. „Ich geh kurz aufs Klo?“ – Sie drückte sich am Tisch vorbei in die Küche.

„Wenn du Duschen willst, Handtücher sind im Bettkasten.“

Heliane wusch ihr Gesicht im Waschbecken. Auf dem Spiegelschrank lag eine Zahnbürste, ihre Borsten waren bereits nass, also würde Elli es nicht bemerken, wenn sie sie benutzte.
Sie wusch sich unter den Achseln und zwischen den Beinen, hastig, sie wollte nicht zu lange im Bad bleiben, dann trat sie in die Küche zurück und kämmte, bevor sie wieder um die Ecke lief, mit den Fingern ihre Haare zurecht und sah sich um.
Die Küche war ihrem Empfinden nach kitschig, aber verdreckt, auf dem Tisch stand ein Plastikblumenstrauß, vor dem Fenster hing gekaufter Osterschmuck. Ohne Zweifel wurde die Wohnung von jemandem mit geschmacklosen Dekoartickeln versorgt.

Elli auf dem Sofa hatte ihren Blick wieder auf den Fernseher gerichtet.

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